Die Stadtwerke Pirmasens Versorgungs GmbH (SWPS) und die EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH, Betreiberin des Müllheizkraftwerks (MHKW) Pirmasens, haben gestern in den Räumen der Stadtwerke einen langfristigen Wärmeliefervertrag unterzeichnet. Mit der Vereinbarung wird die Fernwärmelieferung aus dem MHKW für bestehende und zukünftige Kunden in Pirmasens nachhaltig und verlässlich gesichert.
Der Vertrag wurde bereits am 19. Dezember 2025 geschlossen und tritt nun mit der heutigen Unterzeichnung öffentlich sichtbar in Kraft. Er hat eine langfristige Laufzeit mit Verlängerungsoption. Damit ist ein zentraler Meilenstein für die Wärmeversorgung der Stadt und die Weiterentwicklung des Standorts erreicht.
Effizienzgewinne und besserer Wirkungsgrad als klarer Mehrwert für EEW
Für EEW bedeutet der langfristige Vertrag einen substanziellen Effizienzgewinn: Die gesicherte Abnahme der im Müllheizkraftwerk Pirmasens erzeugten Wärme ermöglicht eine kontinuierliche und gezielte Nutzung der Abwärme und steigert den Gesamtwirkungsgrad der Anlage deutlich. Ergänzend dazu hat EEW durch die Erneuerung der Turbine die Energieeffizienz des Standorts um bis zu 25 Prozent erhöht. Die jährliche Stromerzeugung liegt damit bei mehr als 110.000 Megawattstunden, was dem Bedarf von mehr als 30.000 Haushalten entspricht.
Durch die verbesserte Anlageneffizienz werden zudem rund 10.000 Tonnen CO₂ pro Jahr vermieden. Die Wärmenutzung hat dabei stets Priorität: Erst wenn der Bedarf der Fernwärmekunden gedeckt ist, wird die verbleibende Energie zur Stromerzeugung genutzt.
Michael Höling, Technischer Geschäftsführer des MHKW Pirmasens, sagt: „Der langfristige Wärmeliefervertrag mit den Stadtwerken Pirmasens ist für uns ein wichtiger Schritt. Die verlässliche Abnahme der Wärme ermöglicht es, die Abwärme des Müllheizkraftwerks noch effizienter zu nutzen und den Gesamtwirkungsgrad der Anlage weiter zu verbessern. Das stärkt den Standort Pirmasens, schafft Planungssicherheit für Investitionen und zeigt, wie Abfallverwertung und kommunale Wärmeversorgung sinnvoll zusammenspielen können.“
Die Vereinbarung unterstreicht den Anspruch von EEW, Energie aus Abfall möglichst vollständig nutzbar zu machen und Anlagen kontinuierlich weiterzuentwickeln – nicht nur in der Stromerzeugung, sondern insbesondere auch in der Wärmenutzung.
Gewinn für die Stadtwerke und ihre Kunden
Auch für die Stadtwerke Pirmasens ist der Vertrag ein zentraler Baustein für die zukünftige Ausrichtung der Wärmeversorgung. Die SWPS können ihren Kundinnen und Kunden langfristig eine zukunftsfähige, verlässliche und grüne Fernwärme anbieten.
Christoph Dörr, Geschäftsführer der Stadtwerke Pirmasens, freut sich über die langfristige Partnerschaft: „Wir haben bereits in der Vergangenheit vertrauensvoll und stets zuverlässig zusammengearbeitet. Umso dankbarer sind wir, dass wir dieses Arrangement nun nochmals ausbauen können, obwohl sich die Verhandlungen wegen fehlender gesetzlicher Leitplanken in Bezug auf die Anerkennung von Fernwärme als „grüne“ Wärme, als kompliziert erwiesen haben. Diesen Schuh muss sich jedoch die Politik anziehen, die es bis jetzt noch nicht geschafft hat, hierzu verlässliche Vorgaben zu verabschieden. Ich danke EEW für die Flexibilität, sodass der neue Kooperationsvertrag für beide Vertragspartner eine verlässliche Grundlage für die Zukunft schafft, welcher zudem Raum für gesetzliche Änderungen zulässt.“
Grüne Wärme und Beitrag zur kommunalen Wärmeplanung
Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk gilt als „grüne Wärme“ im Sinne des Wärmeplanungsgesetzes (WPG). Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Wer Fernwärme bezieht, erfüllt automatisch die gesetzlichen Anforderungen an eine nachhaltige Wärmeversorgung.
Mit Blick auf die kommunale Wärmeplanung eröffnet der Vertrag zusätzliche Perspektiven. Ein Ausbau und eine Verdichtung des Fernwärmenetzes, etwa im Zuge neuer Quartiersentwicklungen, kann durch zusätzliche Wärmemengen aus dem MHKW abgesichert werden. Eine weitere Steigerung der Wärmeauskopplung aus der Anlage ist technisch möglich.
Blick in die Wärme-Zukunft
Spätestens ab 2045 muss die Wärmeversorgung vollständig auf erneuerbaren Quellen basieren. Der neue Vertrag schafft die Grundlage, um diesen Weg schrittweise zu gehen. Perspektivisch können grünes Gas, Wasserstoff, Großwärmepumpen oder weitere Abwärmequellen ergänzend in das System integriert werden.
Hintergrund
Ende 2023 verkaufte der Zweckverband Abfallverwertung Südwestpfalz (ZAS) nach einem vorausgegangen, mehrstufigen Bieterverfahren das MHKW an EEW.
Seitdem wurden zwei Wärmelieferverträge über je 12 Monate Laufzeit für die Jahre 2024 und 2025 geschlossen. Bestandteil dieser war das Ansinnen, dass es in beiderseitigem Interesse ist, künftig einen langfristigen Vertrag abzuschließen. Dieser neue Wärmevertrag baut auf der schon langjährigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit des MHKW mit den Stadtwerken Pirmasens auf, bei der die Fernwärme bereits durch den Betriebsführer EEW an die Stadtwerke geliefert wurde.